KreativWerkstatt

Reisen, Reisen, Reisen

🔹 Mondlandung - Die Askja (Island 2) (Rolf Scherer 2022)➖neu➖

🔹 Acores (1) - zwischen Lissabon und New York (Rolf Scherer 2022)

🔹 Acores (2) - auf der Insel Faial (Rolf Scherer 2022)➖neu➖

🔹 Tortellini-Fest in Borghetto (Martha Happ 2022)

🔹 Entscheidung in Montségur (Roger, Stuttgart 2022)

🔹 Im Haus des Fauns (Wolf ten Hawen, Berlin 2019)

🔹 Menü am Lac de Sainte-Croix (Brigitte, Berlin 2003)

🔹 Dubai (Giselle Braeuel 2004)

🔹 Unterwegs auf der Europastraße Nr. 6 (Rolf Scherer 2022)

🔹 A.L.A.S.K.A. (Giselle Braeuel 1995) mit Fotos von Claudia (2022)

🔹 Fast am Ende der Welt - Island 1 (Rolf Scherer 2022)

🔹 My Bucket List (Giselle Braeuel 2010)➖neu➖

🔹 Sommer-Suchbilder ➖neu➖

🔹 Schutzpatron gesucht "Reise-Rätsel" (3) ➖neu➖

🔹 Ein Stück vom Paradies "Reise-Rätsel" (2)

🔹 Das LACHEN (auch illustriert) - und was andere darüber denken

🔹 Literarischer Bodensee 


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Extreme Schotterpiste
Extreme Schotterpiste

Mondlandung - Die Askja |  Island 2

Rolf Scherer

Zwischen 1983 und 1986 waren wir von Berlin aus viermal im Sommer mit Jeep und Zelt auf Europas nördlichem Vorposten Island. So schifften wir uns auch Ende Juni 1985 im dänischen Hirtshals ein, passierten die Orkney Islands, machten einen Zwischenstop auf den Faröer Inseln und erreichten nach dreieinhalb Tagen stürmischer Überfahrt Seyðisfjörður an der Ostküste der Wikingerinsel. Zum dritten Mal betraten wir isländischen Boden und hatten vier spannende Wochen vor uns, die wir mit einer Reihe von Erkundungen füllen wollten.

Eines unserer ganz speziellen Ziele sollte diesmal der Vulkan Askja im Dyngjufjöll-Bergmassiv sein, der sich nördlich von Europas größtem Gletscher außerhalb des Polargebiets, dem Vatnajökull, in einer Höhe bis zu 1500 Metern erhebt. Eine ganze Menge Literatur hatten wir über dieses Gebiet zusammengetragen. Die Themen reichten von vulkanischen Systemen über auf mysteriöse Weise verschwundenen deutschen Forschern bis hin zu geheimnisvollen Naturdeutungen in der Welt der Steinriesen. Außerdem wurde hier für die erste Mondlandung trainiert. Doch dazu der Reihe nach.

In unserem Handbuch Island Road Guide wurde der Jeeptrack Richtung Askja als very vague beschrieben, was so viel heißt, daß in der Regel Abschnitte des Weges nach dem Schnee im Winter oder nach Stürmen oder Regengüssen mit Holzstöcken neu markiert wurden, daß es also keine verläßliche Streckenführung und schon gar keine aufgeschüttete Piste gab. Zudem konnte man auch nicht unbedingt darauf vertrauen, in Sichtweite eine weitere Markierung zu finden. Fegten Unwetter über das Land, fand man bisweilen - mit Glück - nichts außer einigen Reifenspuren. So verließen wir uns oft auf unser Gespür, umkurvten Gesteinsbrocken, hielten bisweilen an und legten uns platt vor dem Jeep auf den Bauch, um zu schaun, ob es bis zum Getriebe als tiefsten Punkt des Jeeps noch Bodenfreiheit gab. Auch eine Beschädigung der Ölwanne durch scharfes Lavagestein mußte unbedingt vermieden werden, wollte man nicht wegen eines Defekts stundenlang zurücklaufen, um irgendwo an der Ring Road eine Tankstelle oder Werkstatt zu finden.

Mit unserer Fahr-„Technik“ schafften wir manchmal ein Dutzend Kilometer in der Stunde, gelegentlich auch weniger, speziell dann, wenn unser Nissan Patrol mit geschätzten zwei bis drei km/h in der Untersetzung im ersten Gang über spitze Lavasteine kroch. Und genau diese eisernen Nerven waren hier auf dem Weg zur Askja gefragt. 

auf der Askja
Unser Moon Walk

Wir kamen verhältnismäßig gut voran, nachdem wir die Ring Road verlassen hatten, aber irgendwann ging es dann doch nicht mehr weiter. Nach unserer Karte waren es noch gute drei Kilometer bis zu dem großen Kratersee, dem Öskjuvatn, der mit seinen 220 Metern zu den tiefsten Seen Islands zählt. Hier verunglückten 1907 der Forscher Dr. Walter von Knebel und der Maler Max Rudloff in einem Segeltuchboot. Mehrere Expeditionen machten sich auf den Weg, um das Schicksal der beiden zu erforschen. Aber ihr Tod auf dem Öskjuvatn blieb ungeklärt; ihre Leichen wurden nie gefunden.

Wir stellten unseren tapferen Jeep auf eine flache Lavaplatte, wappneten uns gegen den brutalen Wind mit Überhose und Anorak, zogen die isländischen Mützen aus dicker Schafswolle über die Ohren und schnürten die Wanderschuhe. Auch Handschuhe gehörten zu unserer Ausrüstung. Der Fotoapparat im Rucksack steckte zusätzlich in einer Plastiktüte, um ihn sicher vor Flugsand und Lavastaub zu schützen, der hier durch jede Ritze drang. Eine Wasserflasche war Pflicht.

Nun sind drei Kilometer eine überschaubare Entfernung, aber es lag noch viel Schnee in der ersten Juliwoche, und zusammen mit dem Lavasand-Gemisch klebte er zentimeterdick in den Profilen unserer Schuhe. Wir stemmten uns gegen den pfeifenden Sturm, kämpften uns langsam voran und waren trotz aller Schwierigkeiten fasziniert von der absoluten Kargkeit, Einsamkeit und Stille dieser bizarren Landschaft. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen gab es hier buchstäblich nichts: keine Gräser, Pflanzen, Sträucher, Bäumchen, nur dunkle, schwarze Wüste, zackige Felsen, erstarrte Lava in den unterschiedlichsten Formen. Mal als scharfkantige Brockenhaufen, je nach Erkaltungstempo auch Falten bildend, die sogenannte Stricklava. Vielfach bedeckten den Boden auch Lavabomben, deren Form während des Herausschleuderns gebildet wurden. Kugelrund oder wie ein Brotlaib so groß lagen sie verstreut im Schnee. Hier an der Askja hatte die NASA 1967 mit Neil Armstrong und weiteren Astronauten ein Training absolviert, das sie auf die vermutete Beschaffenheit der Mondoberfläche vorbereiten sollte. Ihr Aufenthalt auf dem Erdtrabanten sollte simuliert und es sollten Gesteinsproben gesammelt werden. 

Kratersee Öskjuvatn
Askja - der Kratersee Öskjuvatn

Auch wir bückten uns nach dem einen oder anderen funkelnden Stein, der dunkelgrün oder schwarz spiegelnd das Licht reflektierte. Es waren Obsidiane, vulkanisches Gesteinsglas, scharf und zackig, die eine sich rasch abkühlenden Lava bildete. Der letzte Ausbruch hier an der Askja-Caldera ereignete sich im Oktober und November 1961. So junge Steine hatten wir wohl noch nie in unserer Hand.

Mit einigen Fotopausen, in denen wir auch einen eigenen Moon Walk improvisierten, hatten wir es in gut zweieinhalb Stunden bis zum Kraterrand geschafft. Der azurblaue Himmel spiegelte sich im dunklen, fast kreisrunden See, die Luft war klar, kalt und vollkommen rein. Im Kraterrand der Caldera leuchtete buntes Palagonit- und Liparitgestein in bräunlich roten Farben und mit vielen helleren Einsprengseln. Der See, der die Caldera füllte und 1907 den beiden Deutschen auf geheimnisvolle Weise zum Verhängnis wurde, war im Durchmesser vielleicht drei Kilometer breit, die Oberfläche windgepeitscht und unruhig. Unsere Wetterkleidung war ein Segen.

Erst mit einiger Zeitverzögerung fiel uns auf, daß in dieser einmaligen Naturkulisse etwas fehlte. Kein Vogel weit und breit, nicht mal eine Möwe, die an Islands Küsten und im Landesinneren eigentlich überall anzutreffen ist. Absolute Kargheit umgab uns - nur Lavagestein, Asche, Geröll und eben Wasser, der Öskjuvatn in der Caldera, geheimnisvoll und unnahbar. Ein weiterer Krater, Viki benannt, lag gleich in unserem Rücken. Auch er war mit Wasser gefüllt, deutlich kleiner mit seinen etwa 300 Metern Durchmesser, dampfte und roch leicht, so fanden wir, nach Schwefel. Vorstellbar immerhin, hier ein warmes Bad zu nehmen…..

Unser Rückweg war beschwerlich, führte wieder in Schnee und Schlamm quer durch die Wüste. Wir folgten unseren eigenen Spuren und hatten das Gefühl, unsere Schuhe würden festgesaugt, jeder Schritt war beschwerlich. Der Stein war glitschig, festen Tritt zu fassen war nicht immer möglich, und wieder einmal bliesen uns drehende Winde unerbittlich entgegen. In der Gewißheit, diesen ebenso unwirtlichen wie faszinierenden Ort nicht noch einmal zu besuchen, kletterten wir in unseren Jeep und suchten einen geschützten Zeltplatz für die Nacht in der Welt der Steinriesen, die wir in den kommenden Tagen bereisen wollten. Wir fanden ihn im Windschatten eines schroffen Felsens und verankerten unser kleines Kuppelzelt von Fjällräven, mit dem wir bislang jedem Sturm getrotzt hatten, mit besonderer Sorgfalt im Boden, der hier aus einer ziemlich festen, knirschenden Bimssteinschicht bestand.

An das dann folgende „Menü“ erinnern wir uns noch heute. Wir waren vollkommen ausgehungert und verputzten eine Büchse Gulasch, eine Tüte Pfanni-Knödel und eine Packung Prinz Polo Kekse, ohne auch nur das Geringste zurückzulassen. Vor dem Einschlafen, als der Wind drehte und sich die Zeltstangen leicht bog, verlieh ich der für dieses wunderbare Sternemenü Zuständigen den Titel Köchin der Askja.

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Hortensien-Allen
Hortensien-Allen

Acores (1) - Zwischen Lissabon und New York

Rolf Scherer

Im Jahr 1994 reisten wir auf die Azoren, eine portugiesische Inselgruppe mitten im Nordatlantik, bekannt durch die Wetterberichte, Stichwort „Azorenhoch“.Hier gibt es immer noch vulkanische Aktivitäten, liegen die Inseln doch auf der Plattengrenze der Eurasischen, der Nordamerikanischen und der Afrikanischen Platte. Letzter Vulkanausbruch, berichtet vulkane.net*, ereignete sich 1999. Gerade dieser Vulkanismus der portugiesischen Inselgruppe hatte unser Interesse geweckt. Kein Wunder, waren wir doch von unseren vier Aufenthalten auf Island einige Jahre früher fasziniert von Fumarolen, heißen Quellen und Schlammtöpfen, dem jungen Lavagestein, der aktiven Erdtätigkeit. Also denn - wir wollten Neues entdecken.

So flogen wir an einem Julimorgen über Hamburg nach Lissabon und von dort in einer kleinen Maschine knapp drei Stunden über den Atlantik, grobe Richtung New York, nach Punta Delgada auf der Hauptinsel São Miguel. Hier leben etwa 140 000 Menschen.

Kaum dem Flugzeug entstiegen, überraschte uns ein mildes, eher feuchtes Klima. Wir hatten sengende Sonne erwartet und genossen um so mehr die stets fächelnden, eher sanften Winde bei moderaten Temperaturen um die 25 Grad. Die Nächte waren lau, sternenklar und selten kühl. Von plötzlichen Regenduschen wurden wir nur anfangs überrascht. An einen gelegentlichen kurzen Guß gewöhnten wir uns hier schnell. Zumal Wind und Sonne alles bald wieder trockneten.

Bereits auf unserer ersten Fahrt mit dem Mietwagen vom Flughafen aus begeisterte uns die verschwenderische Pracht der blühenden Pflanzen. Die schmalen Landstraßen waren häufig von bis zu fünf Meter hohen Hortensienbüschen in verschiedensten Blautönen gesäumt. Unser kleines Hotel im Westen der Insel war ein ehemaliges Herrenhaus mit Stallungen in einem üppig blühenden und grünenden Park. Wo früher die Pferde untergebracht waren, hatte man jetzt kleine, liebevoll im heimischen Stil gestaltete Mini-Ferienwohnungen eingerichtet. Es fehlte an nichts, und die vorsorglich ausgelegten Mottenkugeln und weiteren Beutelchen taten ihren Dienst. Wir blieben relativ unbelästigt, denn wo so viel Grün und Blüte, da war die Schar der kleinen, überaus aktiven Insekten nicht gerade gering, die einen Bogen um unser kleines Heim machten. Umso mehr wunderten wir uns dann auch über unsere Nachbarn, ein Winzerpaar aus der Pfalz, die, kaum daß sie angekommen waren, als erstes jeglichen Insektenschutz („Chemie ist Mist“) entsorgten. Das wiederum hatte für Ameisen und anderes kriechende Kleingetier den Vorteil, daß der Weg zu Brot, Käse und Tomaten frei war. Schnell bildeten sich Wandergruppen, und es entwickelte sich, der Not gehorchend, in den nächsten Tagen ein Lernprozeß bei unseren Nachbarn.

Azoren - Farne
Azoren - Farne

 Damals hatten die Azoren nur einen geringen Tourismus. Sie waren aufgrund ihrer vielen schroffen Felsküsten auch keine „Badeinseln“ wie zum Beispiel die Kanaren, und die Kommunikation war gar nicht so einfach. Wer wie wir praktisch kein Portugiesisch sprach, behalf sich mit Englisch oder Französisch, mit Mimik und Gestik. So kamen wir häufig in Kontakt mit immer freundlichen Azoreanern, die uns geduldig weiterhalfen. Uns sogar in einem Fall durch das Labyrinth von Einbahnstraßen in Punta Delgada lotsten, indem sie mit ihrem Auto so lange vorausfuhren, bis wir die quirrlige Stadt verlassen und freies Feld erreicht hatten.

Ein andermal sprachen wir in Furnas auf der Suche nach einer Straße eine pensionierte Lehrerin an, die uns aus freien Stücken durch Terra Nostra, den Botanischen Garten dieses Städtchens führte. Ihre Begeisterung für dieses Paradies war sogleich ansteckend, denn hier wuchsen um den von einer Thermalquelle gespeisten See mit vielleicht 35 Grad herum eine Unzahl endemischer Pflanzen, blühend in einer unglaublichen Farbenpracht. Und sie servierte uns ganz kostenlos die Geschichte dieser großzügigen Parkanlage, die vor etwa 200 Jahren mit einem gewissen Thomas Hickling ihren Ursprung hatte. Der Amerikaner war ein reicher „Orangenbaron“, und er liebte die Azoren und gründete hier ein Domizil. Im Laufe der Zeit gab es mehrere Besitzerwechsel, aber ein jeder fügte Rabatten, verschlungene Wege, kleine Wasserläufe, Bäume aus mehreren Kontinenten und Blumen aller Herren Länder sowie einen „Garten“ mit endemischen Pflanzen hinzu.

Prunkstück von Terra Nostra ist ein in die Parklandschaft eingebetteter Thermal-Badesee mit rostbraunem, eisenhaltigen Wasser und einem zarten Schwefelgeruch, ein Ausflugsziel für viele Familien. Auch dieser Weiher geht in seinem Ursprung auf den Orangenbaron zurückgeht, der ganz selbstverständlich die Geothermik nutzte. Hier an den warmen Quellen wuchsen Farne, von denen manche so hoch waren, daß wir unter ihnen hindurchlaufen konnten. Anfangs jagten sie uns einen kleinen Schrecken ein, als sich ihre pelzigen, aufgerollten Blattenden über unsere Schultern schoben. Wir standen und staunten und mußten unwillkürlich an Jules Verne denken und seine Schilderungen phantastischer Pflanzenwelten. Die Azoren waren eine florale Urgewalt. 

Sete Cidades
Sete Cidades

Ein weiteres vulkanisches Großereignis wartete bei Sete Cidades. Wir besuchten die Caldeira, zwei große, miteinander verbundene Kraterseen im Westen von São Miguel. Die Eruptionen, die zu diesen beiden insgesamt fünf Kilometer langen und 2 Kilometer breiten Seen führten, lagen ca. 22 000 Jahre zurück. Noch bis ins 15. Jahrhundert wurden hier vulkanische Aktivitäten verzeichnet. Vom hohen Kraterrand aus betrachtet, boten die azurblauen Seen mit einem dicht bewachsenen grünen Gürtel und vielen Hortensienbüschen unter uns ein grandioses Bild. Die kleine Gemeinde Sete Cicades lag an der engsten Stelle zwischen beiden Seen wie eine Gürtelschnalle. Von vielen Aussichtspunkten (Miradouro) rund um die Caldera hatten wir einen phantastischen Blick auf dieses azoreanische Schmuckstück, das wir nicht oft genug fotografieren konnten.

Auf dem Weg zurück in unser kleines Hotel gab es nur ein Thema: diese beeindruckenden Kraterseen und der aktive Vulkanismus hier mitten im Atlantik. Denn auch auf Island, einige Jahre vorher, hatten wir auf einer Wanderung an der Askja, nördlich vom Gletscher Vatnajökull, einen Kratersee etwa gleicher Größe, den Öskjuvatn, entdeckt. Nur gab es dort praktisch keine Vegetation in der Wüste aus Stein, Asche und unterschiedlichsten Lavaformationen. Dazu aber heftige, eiskalte Böen, die an unseren Anoraks und Windhosen zerrten. Hier, auf den Azoren, erschien uns gerade wegen dieses Vergleichs die Natur unglaublich üppig, verschwenderisch, farbenfroh und hielt freundliche Temperaturen parat. Fast wie ein kraftstrotzender Color-Abzug gegenüber einem verblichenen Schwarz-Weiß-Bild.

Was wären die Azoren ohne ihre zahlreichen, frischen Fischgerichte! Heute freuten wir uns schon des Morgens auf einen besonderen Abend, denn der Patron hatte ein Arroz de Marisco angekündigt, eine seiner Spezialitäten, zu der sich viele Einheimische angekündigt hatten. Seine Reispfanne mit Garnelen, Muscheln und verschiedenen Fischfilets war berühmt auf São Miguel. Auch wir schwärmen noch heute, fast dreißig Jahre später, von dem reichen Duft nach Krustentieren, dem fantastischen Geschmack des in Fischsud, Zwiebeln, Knoblauch und vielerlei Kräutern gegarten Reises, von einem herrlich frischen Vinho Verde. Von diesem wundervollen Abend auf einem kleinen Eiland mitten im Atlantik. 

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Hafen von Horta
Hafen von Horta

Azores (2) - auf der Insel Faial

Rolf Scherer

Die vulkanische Insel São Miguel war für zehn Tage ein unglaublich spannender Aufenthalt. Doch dann zog es uns weiter gen Westen, mit dem Flieger eine Stunde über den Atlantik nach Horta auf die Hortensieninsel Faial mit ihren etwa 15 000 Einwohnern. Hier brach der Vulcão dos Capelinhos letztmalig 1957 aus. Ein weiteres Seebeben erschütterte die Insel 1998. Diesem Eiland galt unser besonderes Interesse. Aber der Reihe nach.

Vom Fenster unseres kleinen Hotels aus hatten wir den großen Seglerhafen von Horta, der Hauptstadt der Insel, direkt vor uns. Damals wie heute machen Skipper aus aller Welt hier einen Zwischenstop auf ihren Fahrten nach Europa oder Nord- und Südamerika. Internationale Regatten haben hier einen Treffpunkt. Bis zu 300 Booten bietet der Hafen der kleinen Stadt Horta Platz. 

Wir schlenderten über die Kais und bewunderten Hunderte von Bildern, die die Skipper bei ihrem Aufenthalt auf die Wegplatten gesprüht oder gemalt hatten. Oft waren es die Heimathäfen der Boote, die hier in bunten Farben mit Datum und Schiffsnamen vom Beton grüßten. Miami war vertreten, New York und Rio de Janeiro. „Singapur wartet auf Jesse 2/ 1990“, schrieb vermutlich ein Weltumsegler. „New Glasgow →1989 ←Hamburg“ stand auf dem Bild eines schnittigen Zweimasters. Dieser Kapitän kam wohl aus Maine, machte hier einen Zwischenstop und dann noch einen von Deutschland aus zurück in den Heimathafen. Darauf folgten Bilder einer Nußschale im Sturm, einer Meerjungfrau mit Victory-Zeichen und eines riesigen Walfischs mit hoch sprühender Fontäne. Daten, Namen, Wünsche, Visitenkarten. Ob wohl der Skipper der „Diana Blue 1989“ die Überfahrt nach Bremen geschafft hatte?

Hier im Hafen von Horta gab es jede Menge reizvolle Fotomotive. Wir sahen Boote, die wir in unserem Leben noch nie gesehen hatten. So zum Beispiel einen Katamaran mit drei Schiffsrümpfen und einem ungeheuer hohen Mastbaum, auf dessen rundum verglaster Steuerbrücke locker 15 Paare hätten einen Walzer tanzen können. Wir staunten über topmoderne Einhandsegler und kamen mit einem ihrer Kapitäne, einem älteren Schotten mit braunem, wettergegerbten Gesicht, ins Gespräch. Sein Heimathafen war auf Skye, sein nächster Stop sollte Rio de Janeiro sein, und er plante, in etwa sechs Monaten wieder auf seiner Insel einlaufen zu können. Die Steuerung seines Bootes war voll automatisiert, und lachend erklärte er uns einige Grundlagen des Segelsetzens und der Bedienung der Schoten, die er von seinem Steuerpult auf der Kommandobrücke dirigierte. Als wir ihn fragten, wie er mit der Einsamkeit auf hoher See zurande käme, gab er zur Antwort, er sei es gewohnt und er liebe die Freiheit, die Ungebundenheit. Ein wenig Angst schimmerte aber doch durch, als er über die Müdigkeit sprach, gegen die es immer wieder anzukämpfen gelte auf den langen Ozeanpassagen.

Da wir kein spezielles Wissen über Bootsklassen und internationale Wettbewerbe hatten, blieben wir vor so manchem Schiff staunend stehen, schätzten Boots- und Mastlänge und waren einfach nur schwer beeindruckt. Zwei junge Amerikaner waren gerade beim „Signieren“ einer Kaiplatte. Ihre Yacht, ein Hochsee-Rennboot, war brandneu und mußte „eingesegelt“ werden. Der Eigner hatte ihnen den Auftrag gegeben, auf einer Route über Wellington/ Neuseeland einmal rund um den Globus das Schiff verschiedenen Tests zu unterziehen. Er selbst wollte dann mit seiner Crew an einem bedeutenden amerikanischen Wettsegeln teilnehmen. Uns war klar: Ganz offensichtlich war der Ritt über die Wellen mit gewissen finanziellen Vorbedingungen verknüpft. 

Vulcão dos Capelinhos
Vulcão dos Capelinhos

So blieben wir an Land, bestiegen tags drauf unseren kleinen Mietwagen und machten uns auf den Weg zum Vulcão dos Capelinhos, dem jüngsten Stück Land, das Faial durch den Ausbruch 1958 hinzugefügt wurde. Die zwei Hauptstraßen der Insel waren geteert und fuhren sich einwandfrei. Etwas anders war man auf den Pisten unterwegs, die aber insgesamt recht wenig Schlaglöcher hatten. Mäßig durchgeschüttelt stiegen wir am verlassenen Leuchtturm aus und schauten hinüber zu einem eingebrochenen, riesigen Krater, dessen schiere Größe uns eine Vorstellung gab von den Urgewalten, die hier vor knapp 40 Jahren wüteten. So hatte die herausgeschleuderte Vulkanasche das Aussehen des nordwestlichen Teils der Insel völlig veränderten und diesen saftig-grünen Wiesen der Gemeinde Capelo einen steingrauen Mantel übergeworfen.

Heftige Winde trieben uns feinen Sand ins Gesicht und hatten im Laufe der Jahre die wenigen verlassenen Hütten fast zugedeckt. Junge Anpflanzungen von verschiedenen Gräsern und Schilf sollten den Sand binden. Aber das schien bei diesen heftigen atlantischen Winden nur schwer möglich. Junges Lavagestein überall, skurrile Formen, scharf und bröcklig, gerundete Lavabomben mit bräunlichen, zarten Flechten. Die Insel Faial hatte einen Gebietszuwachs erhalten - aber um welchen Preis!

Es ist offensichtlich - der Vulkanismus hatte uns wieder in seinen Bann gezogen. Auf Schritt und Tritt bot Faial Naturschönheiten aus jüngster erdgeschichtlicher Zeit. So den Vulkan Cabeço Gordo, den man mit fetter Kopf übersetzen könnte und der mit gut eintausend Metern der höchste Berg der Insel ist. Seine Caldera, ein Kessel von gut zwei Kilometern Durchmesser und einem flachen, ebenen und grün bewachsenen Grund, ist eine Sehenswürdigkeit, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. 

Vulkan Cabeço Gordo
Vulkan Cabeço Gordo

An einem schönen Morgen mit Postkartenhimmel parkten wir unseren kleinen Mietwagen an einem uns beschriebenen Einstieg zum Krater etwa in der Mitte der Insel. Es ging vielleicht 150 Meter in einem ausgetrockneten Bachbett steil bergab, das von hohem Heidekraut und grünen Büschen eng eingerahmt war. Manchmal mußten wir uns auf abgeschliffene Felsbrocken setzen und vorsichtig abrutschen. An armdicken Wurzeln und Ästen hangelten wir uns nach unten. Es war eine etwas heikle Kletterpartie, die am Talgrund mit einem unvergesslichen Blick auf den kompletten Kessel belohnt wurde, seine steilen Wände, teils dunkel begrünt, teil felsig nackt, gaben uns das Gefühl, in einer riesigen Pfanne zu stehen. Eine absolute Ruhe umgab uns, und wir spazierten zur Mitte des Areals, in der Nase den Duft von Pfefferminze, die weite Teile des Bodens überwucherte. Dazu vertrocknete Gräser und buschiges Heidekraut, das uns stellenweise deutlich überragte und so gar nicht mit dem Gewächs zu vergleichen war, daß wir aus Deutschland, Stichwort Lüneburger Heide, kennen. Wir waren fasziniert von diesem topfebenen Terrain, umgeben von den hohen Mauern der Caldera, und stellten plötzlich irritiert fest, daß von uns aus unsere Abstiegsroute nicht mehr zu finden war. Alle Wände sahen etwa gleich aus, und unser vertrocknete Bachbett war komplett durch wucherndes Heidekraut überdeckt. Von weitem war aber ein weißer Plastikbecher zu erkennen, den jemand auf einen Ast an der Abbruchkante gesteckt hatte. Wir hatten Glück, hier war unser Aufstieg, und er ging einfacher vonstatten als die Kletterpartie talwärts. 

Pico - Portugals höchster Berg
Pico - Portugals höchster Berg

Horta hat eine richtige Flaniermeile, die Uferpromenade, auf der viele Sprachen durcheinanderschwirrten und ganze Schiffsmannschaften die Cafés und Restaurantes bevölkerten. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf Portugals mit 2351 Metern höchsten Berg, den Vulkan Pico auf der gleichnamigen Nachbarinsel, der sich fast immer mit einem Wolkenband unter der Spitze schmückte. Etwas abseits von den von Seglern suchten wir ein Restaurant auf, das uns von Einheimischen empfohlen wurde. In dem kleinen Gastraum mit seinen braunen Tischchen und handgemalten Schifffahrtsmotiven an den Wänden ließen wir uns vom Wirt die Empfehlungen des Tages erklären. Wir entschieden uns für frischen Thunfisch vom Grill und ein gewaltiges Stück Seeteufel im Reisbett, scharf gewürzt. Dazu gab es einen frischen Vinho Verde aus einfachen, sauberen Wassergläsern. Was für ein wunderbares Mal! Zum Nachtisch pries der Patron seine „excellente!“ Nachspeise an. Er nannte sie „Molotow-Cocktail“, und die hatte es in sich. Eine Kugel Vanilleeis mit einem Überzug aus Schokolade schwamm im Rum, dekoriert mit einem kleinen, bunten Sonnenschirm aus Papier. Diese hochprozentige Überraschung schmeckte einfach unglaublich und schloß ein Essen ab, für das die Rechnung kurz auf dem Papier-Tischtuch addiert wurde. Wir blickten uns an: Dafür hätte eine Person zu Hause noch draufzahlen müssen, um satt zu werden.

Knapp drei Wochen waren wir nun 1994 auf den gastfreundlichen Azoren und es ging daran, die Koffer zu packen. Dabei muß ein kleines Mißgeschick passiert sein. Der Film mit den Hafenbildern, den bunten Malereien der Segler, den wunderbaren Hochseeyachten ging verloren. Alles Suchen zu Hause in Berlin half nichts - aber die Erinnerung an die portugiesischen Vulkaninseln mitten im Atlantik, die bleibt lebendig.

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Wenn einer eine Reise tut - dann kann er was erzählen . . . .

von Martha Happ, Immenstaad im Mai 2022  

 

🔴 ..... bzw. : Jede Reise fängt mit dem ersten Schritt an . . . .

🟢 und wenn er noch jahrelang davon träumen und in Erinnerungen schwelgen kann . . .  

🔴 DANN WAR ES EINE UNVERGESSLICH GELUNGENE REISE !

 

➥ Und nun von Anfang an . . . .

Wir hatten das Glück, wurden von unseren Bekannten gefragt: „Wollt Ihr nicht auch teilnehmen an der Gruppenreise an den Garda-See und Teilnahme am „Tortellini-Fest in Borghetto?“ Und ob wir wollten . . . ! ! ! 

Alles war bereits bestens organisiert, wir mußten uns nur anmelden, Koffer packen und in bester Stimmung in den Bus einsteigen! 

Uns bereits bekannte, sympathische und gutgelaunte Mitreisende trafen wir an. Wunderbares Wetter war uns hold, beste Voraussetzungen für eine vergnügliche Anreise. In welchem kleinen Ort wir untergebracht waren, weiß ich leider nicht mehr, aber es war ein lieblich verträumter Ort und ein professionell familien-geführtes Hotel. VERWÖHNUNG PUR!

Der nächste Tag diente der Akklimatisierung, genußreiches Frühstück, Rundgang und begleitete Führung durch das Örtchen, bis zur nachmittäglichen Busabfahrt nach Borghetto zum Tortellini-Fest! 

Wirklich - ein echter Geheimtipp dieses Tortellinifest, das mit einer wunderschönen Tradition verknüpft ist, dieses traditionelle „Festa del Nodo d'Amore (Fest der Liebesknoten)“ in Borghetto (Valeggio sul Mincio). Das Fest findet jedes Jahr im Juni statt. 

Das Örtchen Borghetto gehört als Ortsteil zu Valeggio sul Mincio, direkt am Fluss Mincio.  Das ehemalige Festungsdorf wurde um 1400 gegründet, zauberhaft die kleinen Gässchen und Brücken, die über den Fluss führen. 

In Borghetto und in Valeggion werden die Tortellini mit Liebe von vielen Frauen von Hand gefertigt. Dafür sind die Orte berühmt.

Warum die Tortellini „Liebesknoten“ heißen, dazu gibt es eine kleine Sage: Ein tapferer Kämpfer verliebte sich in eine Nixe. Da sie tagsüber nicht zusammensein konnten, banden sie zum Beweis ihrer Liebe einen Knoten in ein Tuch. Leider – sie konnten zusammen nicht kommen, am Ende muss der verliebte Tapfere fliehen und folgt der Nixe ins Wasser nach. Am Ufer fanden die Bewohner des Dorfes nur noch das verknotete, vergoldete Tuch – den Liebesknoten - vor. Und zum Gedenken an diese bezaubernde Liebesgeschichte, wurde der Knoten in Nudelform nachgeformt – so jedenfalls die Sage. ROMANTISCH!!! 

Nun zum Fest: Schon der Anblick bei Ankunft war überwältigend: Eine herrlich, festlich, unendlich lange weißgedeckte Tafel spannte sich über die Brücke von einem Flußufer hinüber zum anderen. Alle Plätze (es waren ja mehrere Busse angereist) waren genau zugeteilt. 

Über Lautsprecher die Begrüßung in verschiedenen Landessprachen durch den Bürgermeister, Auftakt-Musik! 

Und los gings dann: mit Aperitiv, Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch. Und einmalig: Alle speisten zugleich, denn es waren längs der Brücke im Hintergrund die Versorgungszelte aufgebaut, die jeweils für einen kurzen Abschnitt für die Bedienung zuständig waren. Junge Frauen servierten in wunderschönen, historischen Trachten – HERRLICH ! Getränke? Es durfte kein Glas leer sein, sofort wurde nachgeschenkt!

Dazu ertönte immer wieder von einer Anhöhe herunter klassische italienische Opern-Musik – absolut passend; (bekannte Musikstücke, leider weiß ich nicht mehr welche), SCHADE! Vor Einbruch der Dunkelheit erhielt jeder Gast eine Kerze, die dann gemeinsam entzündet wurde. UNVERGESSLICH,  DIESE ATMOSPHÄRE ! 

Weiteres Highlight dieses Festabends : Nach dem letzten Essens-Gang, bereits bei Dunkelheit: Plötzlich gingen alle Scheinwerfer aus und von der auf einer Anhöhe liegenden (Festungs-?)-Burg begann ein imposantes minutenlanges Feuerwerk. 

Es war ein absolutes Highlight, dieser Festabend und eine Meisterleistung an Organisation, Logistik, Motivation und Arbeitseinsatz. Wie uns berichtet wurde: Das gesamte Dorf ist hier begeistert und engagiert involviert! EINMALIG LOBENSWERT ! 

Wir waren alle einhellig der Meinung: DIESE KURZREISE WAR S P I T Z E !  

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Le Pays Cathare
Le Pays Cathare

Entscheidung in Montségur

Roger, Stuttgart 2002

Spannende Spionagethriller haben uns immer schon gefesselt. Häufig nicht nur die fesselnde Handlung, sondern auch die nicht weniger interessante Kulisse. Was zwangsläufig zu ungewöhnlichen Reisezielen führte. Manchmal traf man dort Gleichgesinnte, deren Reiseführer auch aus einem Roman bestand!

Der Spionagethriller „Agguato a Montsegur“ von Liaty Pisani war der Guide, der uns am 31. April 2002 von Montélimar über Narbonne nach Montségur führte:

Das Wetter ist herrlich, strahlendes Provence-Blau, keine Wolke am Himmel. Baguette mit Schafskäse und Evian aus der Flasche vermitteln erstes Südfrankreich-Feeling. Unerwartet taucht der Pog mit der Ruine der Katharerburg auf, die einzige, die auch wirklich von den Katharern erbaut wurde. Dort fand 1244 die letzte Schlacht der Albigenser-Kriege statt. Sie endete mit der Verbrennung von über 200 Gläubigen, die sich, der Legende nach, singend ins Feuer stürzten.

Die Burg - nur die Außenmauern stehen noch - liegt 1400 Meter hoch auf einem Felskegel, um den sich die Straße bis zum 1200 Meter hoch gelegenen Dorf Montségur windet. An den Ort, wo vermutlich einst der Scheiterhaufen stand, erinnert eine Stele mit der Inschrift: „Als Catars, als martirs del pur amor crestian“ – „Den Katharern, den Märtyrern der reinen christlichen Liebe“

Wir bekommen das letzte Zimmer Im Logis de France. Es verfügt über vier Schlafgelegenheiten und einer einfachen Dusche auf Steinfußboden. Das Zimmer hat ein ebenerdiges Fenster direkt zum Parkplatz, was das Aus- und Einpacken sehr erleichtert.

Die Sonne scheint weiterhin, so daß wir beschließen, am nächsten Tag in Bermudas und mit viel Sonnenöl hinaufzusteigen … es war eine Entscheidung, die wir bis heute bereuen … Statt dessen nehmen auf der gemütlichen Terrasse mit den Platanen einen Apéritif und freuen uns auf das Menu! 

Le Pays Cathare
Le Pays Cathare

Das kleine Restaurant mit vielleicht zehn zierlichen Bistro-Tischchen ist umwerfend:  Dunkles, altes Holz, rohe Wände, Spitzenvorhänge an den Kassettenfenstern rosafarbene Stofftischdecken mit Blüten und ebensolche Servietten, höchst kunstvoll gefaltet. Blumen in zierlichen Vasen auf den Tischen, viele funkelnde Gläser und eine gedruckte Speisekarte mit einem Foto der Burg und dem Logo mit den Logis-de-France-Kaminen. Wir essen einen Salade Geziers (das ist Kaumagen), danach das beste Cassoulet unseres Lebens und zum Schluß einen umwerfenden Rohmilch-Ziegenkäse. Dazu gibt es Rotwein im Pichet, weil das Glas Bier fünf Euro kostet, und wir keine Lust haben, für das Bier mehr zu zahlen als für das im übrigen wirklich exzeptionelle Menü.

Der Patron hat schnell registriert, daß man sich mit uns auch ein wenig in seiner Muttersprache unterhalten könnte, und so setzt er sich nach dem Essen zu uns und erzählt, daß Liaty Pisani auch bei ihm eingekehrt ist, zusammen mit einem bekannten Katharer-Forscher.

Am nächsten Tag - und auch in den folgenden - gießt es gleichmäßig und viel. Die Wolken hängen tief, kaum eine Möglichkeit, in dem ebenfalls recht feuchten Hotelzimmer die Anoraks, Schuhe, Jeans etc. wieder trocken zu kriegen … Carcassonne und ses cinq fils Aguilar, Peyrepertuse, Puilaurens, Quéribus und Termes - die Königsfestung also und die fünf Katharerstützpunkte haben wir kennengelernt. Nur die Entscheidung in Montségur war so falsch …

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Pompeji 1974
Pompeji 1974

Im Haus des Fauns

Wolf ten Hawen (Berlin 2019)

Ende Juni 1974 standen wir an einem Donnerstag sehr früh auf, denn es lagen über 1800 Kilometer vor uns. Natürlich wollten wir nicht alles an einem Tag zurücklegen, aber bis über den Brenner könnte es schon gehen. An uns und unserem tapferen VW 1200 sollte es nicht liegen! Wenn es auch immer wieder ungewiß war, wie wir vom Westteil Berlins durch die Grenzkontrollen kämen. Die Volkspolizisten (VoPo) der DDR war manchmal schikanös, und wenn man Glück hatte uninteressiert. Freundlich jedoch höchst selten. Manchmal stand die Schlange bei der „Ausreise“ aus Berlin-Wannsee eine Stunde oder länger bis auf die AVUS Richtung Funkturm.

An jenem Donnerstag ging es flotter. Wie immer trat beim Verlassen der DDR auf der Autobahn Richtung Nürnberg automatisch ein Gefühl ein, das jeder Berliner (West) kennt. Man konnte sich wieder frei bewegen, die Luft war zarter, die Sonne heller. Das Grau wich frischen Farbtupfern.

Unser Ziel war Pompeji, das wir nach einem weiteren Zwischenstop in der Ewigen Stadt Rom zwei Tage später erreichten. Viel haben wir gelesen über diese vom Vesuv im Jahr 79 verschüttete und in den letzten Jahrhunderten wieder nach und nach ausgegrabene Stadt am Ufer des Sarno. Wir wollten sie mit eigenen Augen sehen, die alte römische Stadt, die von einer bis zu sechs Meter hohen Asche- und Bimssteinschicht bedeckt wurde und die Archäologen aus aller Welt erstaunlich wohlbehalten wieder zu Tage förderten.

Wie man weiß, ist Pompeji heute, im Jahr 2022, ein touristischer Magnet mit ca. vier Millionen Besuchern pro Jahr. Ganz anders haben wir es, knapp 50 Jahre früher, erlebt. Zunächst war die Weitläufigkeit des musealen Areals beeindruckend, kleine Besuchergruppen und Einzelpersonen hier und dort. Bisweilen hatten wir einen ganzen Straßenzug für uns allein. Wir setzten uns auf einen Stein und vertieften uns in einen kleinen Spiralband mit Rekonstruktionsversuchen „Einst und Jetzt“ (aus dem VISION Verlag, 5 000 Lire), der das aktuelle Foto der Ausgrabung mit einer durchsichtigen Ergänzung überdeckt, um so einen farbigen Eindruck des antiken Lebens zu zeigen. So inspiriert besuchten den Forumsplatz, das Zentrum jeder antiken römischen Stadt, den Apollotempel, die Basilika. Die Rekonstruktionen in unserem Büchlein halfen sehr bei der Vorstellung des Lebens vor zweitausend Jahren in dieser einst wohlhabenden Stadt. Farbig muß man sich die Gebäude, die Innenhöfe und Brunnen vorstellen mit ihren Wandzeichnungen, Reliefs und Mosaiken. Und man muß zu den steinernen Säulen und Wänden auch Dächer hinzudenken. Holzkonstruktionen, die natürlich längst verbrannt oder verrottet sind. Aber ohne sie mag sich ein Bild der Geschlossenheit, des Begrenzten und Privaten nur schwer einstellen. 

Pompeji 1974
Pompeji 1974

Immer wieder stand vor einem der Häuser eine Aufsicht, die über den ausgegrabenen Schatz wachte. Mancher winkte freundlich mit einem Schlüssel. So gelangten wir im Tausch mit einem 500 Lire Schein in das schönste und größte Haus Pompejis. Benannt nach der Statue eines tanzenden Fauns oder Satyrs, dessen Bronzekopie im Wasserbecken des Atriums steht. Dem Haus des Fauns wird laut Wiki eine Grundfläche von 2490 qm zugeschrieben. Viele seiner Mosaiken und Wandmalereien sowie der Faun selbst sind im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel zu besichtigen. Wir wanderten durch die Räume, genossen den Schatten der kühlenden Architektur, versuchten, antikes Leben zu rekonstruieren.

Uns trieb es wieder auf die Straße, die mit tiefen Rillen versehen war, gezogen von den Reifen der Lastkarren. Aber auch Abwasserröhren, teils halb offen, führten an den Straßen entlang, antike Kanalisation. Von einer Straßenseite zur anderen gelangte man trockenen Fußes über Schrittsteine. Wir mußten an Zebrastreifen denken. Sollten wirklich fast 2000 Jahre zwischen damals und heute liegen? Händler und Gaststätten mit Außenwerbung in Form von Handwerkszeichen oder Warenpräsentation, Notizen und Spötteleien, geritzt in Hauswände, so lebhaft und voller „Graffity“ war Pompeji.

Wir verbrachten einen vollen Tag an diesem süditalienischen Ausgrabungsort, im ständigen Austausch mit unglaublich eindrucksvoller antiker Geschichte.

Dann ging es weiter nach Herculaneum und Paestum. Aber das ist eine andere Geschichte. 

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Lac de Sainte-Croix
Lac de Sainte-Croix

Menü am Lac de Sainte-Croix

Brigitte, Berlin 2003

Der Schauplatz dieser kleinen Episode ist der Imbißstand „Snack Bar Glacier“ in Aiguines mit Blick auf den Lac de Sainte-Croix, einen Stausee, in den der Verdon mündet, der Fluß aus der gleichnamigen Gorge. Es ist ein strahlend blauer Frühsommertag, der See glitzert türkis, die Luft ist milde, die Stimmung ruhig. Die Snackbar ist ein provenzalisches Steinhaus mit braunen Fensterläden und einer kleinen Terrasse für die Gäste. An der Tür Werbung für verschiedene Eissorten und für Filmrollen.

Ein LKW kommt an, in rascher Fahrt, und hält. Vier junge Männer in Arbeitskluft springen heraus. Nach der Aufschrift auf dem Auto und einer ähnlichen auf ihrer Arbeitskleidung handelt es sich offenbar um Leute vom Bau. 

„Lou, bonjour, ça va? Qu'y a-t-il à manger aujourd'hui?“ - „Salut Michel, bonjour á tous. Que diriez-vous de frites et de steak ou de poisson? Il y aurait aussi un cassoulet?“

Die vier setzen sich und beratschlagen: Es ist eine sehr ernste Angelegenheit, so ein Mittagessen in Frankreich. Und es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob es im Drei-Sterne-Restaurant auf der Croisette in Cannes eingenommen wird oder an der Route Départementale D 957, ob auf farblich dezenten, lederbezogenen Chairs oder auf weißen, stapelbaren Kunststoff-Gartenstühlen! Und ebenso ernst ist die Menüwahl - sie muß sorgfältig geplant und abgestimmt werden. Das sehen sowohl die Gäste so als auch der Patron. Und selbst wenn „Steak/Frites“ um die Mittagszeit in allen französischen Snackbars von der Côte bis Caen häufig angeboten werden - und ebenso häufig gerne bestellt werden sollten - so muß die Wahl doch in voller Überzeugung und deshalb immer wieder neu erfolgen. 

Michel ist der Verhandlungsführer: Denn verhandelt werden muß! Das Budget ist begrenzt, und es soll ein richtiges Menu werden, also mit drei Gängen! Lou, der Patron, weiß das, und so gibt er zu bedenken, daß der Komplettpreis günstiger wäre, wenn alle drei dasselbe nähmen. Man einigt sich auf Pommes Frites und Steak! Michel plädiert für kleine Steaks und dafür mehr Frites. Zustimmung! D’accord also, was den Hauptgang betrifft. 

Gorge du Verdon
Gorge du Verdon

Lou, der Patron, bringt eine große Karaffe mit Leitungswasser. Als ersten Gang, sagt er, empfehle er einen Salat, dazu Baguette. Er habe grade frisch geernteten laitue pommées von Georges, dem befreundeten Bauern, bekommen. Die vier sind einverstanden, ordern noch einen Café zum Abschluß und Michel fragt nach dem Preis für das Menu. Es wird leise beratschlagt, und man kommt nun zu einer ganz entscheidenden Frage: Nämlich, was es kosten würde, wenn man noch eine Flasche Wein dazu nähme … ? Aufatmen, ça marche!

Lou hat Roten und Rosé zur Auswahl. Und ja, man ist in der Provence, im Frühsommer, es wird also ein Rosé - das hebt die Laune ganz entschieden! 

In der kleinen Küche wird es nun geschäftig und lebendig! Die Fritteuse wird in Gang gesetzt, die Steaks vorbereitet, die Pfanne bereitgestellt.

Derweil bereitet Lou den Salat zu: Es ist ein riesiger Kopfsalat, der da - gewaschen und artig gezupft - in einer großen Schüssel mit  Öl, Essig, Salz und Pfeffer vermengt wird - mit bloßen Händen übrigens. Ein Baguette wird aufgeschnitten, vier Teller, Messer, Gabeln und der Salat finden den Weg nach draußen zu den Gästen unter den Platanen mit den bunten Glühbirnen. Kleine Weingläser und der Roséwein folgen, Die Flasche ist beschlagen vom Wechsel aus dem Kühlschrank in die Frühsommerluft.  Ein vierstimmiges „Ah“ und „merci beaucoup, Lou“  begleitet den Wirt wieder in die Küche. Man reicht die Salatschüssel herum und den Brotkorb, man füllt in jedes Glas zwei fingerbreit Rosé - Salutations, les copains! - man beginnt zu essen, begleitet von einer offenbar angenehmen Konversation. 

Der Hauptgang wird serviert, die Stimmung noch behaglicher, und als der Café kommt (zusammen mit einem winzigen cœur de palmier), weiß man: Es war ein echtes Sterne-Menü!

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Lac de Sainte-Croix im Département Alpes-de-Hautes-Provence ist ein Stausee, er bildet des Endpunkt der Gorges du Verdon.Eine Gorge ist ein Canyon, und der Gorges du Verdon ist einer der zwei großen Canyons in Europa.

Der Canyon Gorges du Verdon ist 21 km lang und zwischen 250 und 700 Meter tief, durch sie fließt der türkisfarbene Fluß Verdon. Er beginnt in der Gemeinde Castellane und endet in dem überaus malerischen Dorf Moustiers Sainte-Marie.

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Dubai 2004

Giselle Braeuel

 

Desert dunes of reddish sand

Changing colours in the setting sun

A silent wind is blowing dust

Across a thousand ripples.

Against a distant sky

A caravan of camels

Slowly nodding along

Their ancient way

Up and down, up and down.

They are led on a rope

By a Bedouin.


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Helleristninger, älter als 2000 Jahre
Helleristninger, älter als 2000 Jahre

Unterwegs auf der Europastraße Nr. 6

Rolf Scherer

Es begann damit, daß wir im Jahr 1979 auf unserem Sommerurlaub in Loutraki, am Peloponnes, bei Temperaturen von deutlich über 40 Grad nur noch den Schatten suchten. Das war ganz schön anstrengend, und es mußte eine Abwechslung her. Wir waren konsequent und entschieden uns für den hohen Norden. Zum Nordkapp sollte es gehen, mit Zelt und Auto.

So starteten wir ein Jahr später Ende Juni unsere Expedition, nachdem wir jede Menge Reiseberichte gelesen und uns durch zwölf Sitzungen Norwegisch für Anfänger der Berliner Volkshochschule gekämpft hatten. 

Da wir Norwegen noch nicht kannten, begannen wir ganz im Süden in Kristiansand, die Küste zu erforschen, um dort am regen Badeleben teilzunehmen. Doch dazu kam es leider nicht, denn Petrus begrüßte uns mit dreitägigem Dauerregen. Graue Nebel hingen über dem Skagerrak, der Wind fauchte, und wir gedachten fast wehmütig der wärmenden Sonne, die uns im letzten Jahr am Mittelmeer verwöhnt hatte. Aber getreu dem Motto eines ehemaligen großen Fußballspielers und Trainers mit Spitznamen Terrier: Look forward, don’t look back, packten wir nach zahllosen, flehentlichen Blicken in den grauen Himmel das klatschnasse Zelt ins Auto und steuerten nordwärts, ins Setesdal und bestaunten die ersten monumentalen Wasserfälle. Dies waren die ersten 200 Kilometer auf unserer Fahrt in die Nordkalotte, aus der wir fünf Wochen später und mit etwa 10 000 Reisekilometern auf dem Tacho unseren Heimathafen Berlin ansteuern sollten. Doch hierzu im einzelnen.

Gletscherzungen
Gletscherzungen

So bekamen wir bereits vor unserer Ankunft in Norwegen auf der Fähre Infomaterial in die Hand mit einigen wichtigen Hinweisen. Das Land war mit gut vier Millionen Einwohnern dünn besiedelt und verfügt über ein weit verzweigtes Straßen- und Wegenetz, das mit besonderer Vorsicht zu befahren ist. Denn überall können den Reisenden frei laufende Rinder und Schafe, Ziegen und Rentiere, Elche und Waschbären begegnen, um nur einige zu nennen. Und Tiere haben hier im hohen Norden unbedingt Vorfahrt. Hatte man beispielsweise einen Unfall mit einem Rentier, so konnte der Eigentümer der Herde, in der Regel ein Same, eine Entschädigung verlangen. Vorsicht war also geboten, vor allem auch in Norwegens Tunneln, die wir auf unserem Weg nordwärts zu Dutzenden durchfuhren. Hier in die Dunkelheit zogen sich gern Schafe und Rentiere zum Schlafen zurück, denn im Sommer blieben die Nächte hell, je mehr man in den dünn besiedelten Norden vordrang. Mehr als einmal stiegen wir aus, machten uns bei den lagernden Tieren mit lautem Klatschen und Rufen unbeliebt und störten so lange, bis sie sich widerwillig erhoben und unser Auto passieren ließen.

Auf unserer Suche nach passablen Wetterverhältnissen waren wir schon gute 1 000 km in den Norden vorgedrungen, konnten die Regenwolken aber immer noch nicht abschütteln. So stiegen wir vom Zelten notgedrungen auf Campinghütten um. Das waren meist einfachste Holzhäuschen mit Pritschen, Tisch und Stuhl, die preiswerten Unterschlupf boten. Kontakte zu campenden Nachbarn blieben wegen des widrigen Wetters spärlich. Irgendwann hatte dann auch der nordische Wettergott Thor ein Einsehen mit uns. Wir zogen weiter und konnten endlich unser Zelt trocknen, die Anoraks ausziehen und die Gummistiefel säubern, ein kleines Feuer machen und einen frisch gefangenen Dorsch grillen, den wir an einem verlassenen Bootssteg aus dem Meer geangelt hatten. Die Sonne versank nur für einen kurzen Moment im Meer, und der frische Wind vertrieb zuverlässig die Mücken. Welch ein göttliches Abendessen am Ende eines von steilen Felsen eingemauerten Fjordes! Ein paar neugierige Schafe leisteten uns Gesellschaft.

Die weitere Tour aufs Nordkap zu hatte noch einige Überraschungen parat, von denen berichtet werden soll. So besuchten wir die Helleristninger, Felszeichnungen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. oder auch bei Vikran Ritzungen im Felsen, die wohl Rentiere darstellen sollten. Je nach vorherrschenden Motiven schlußfolgerten Archäologen, ob es sich um sesshafte Menschen, die Ackerbau und Viehzucht betrieben, handelte oder um Jäger und Sammler. All diese Orte waren damals mit Hinweisen an der Straße und erklärenden Tafeln versehen und frei zugänglich. Wir waren beeindruckt vom diesem Geschichtsunterricht in der freien Natur.

Die norwegischen Fjelle, die wir durchquerten und die uns abseits der E 6 immer wieder zu Spaziergängen einluden, faszinierten mit ihrem urwüchsigen Charakter und der Einsamkeit. Hier, oberhalb der Nadelwaldgrenze, ragten meist eiszeitlich rund geschliffene Felsen aus den weitläufigen Heidelbeersträuchern. Stengelloses Leimkraut modelliert sie mit seinen kleinen, rotweißen Blüten. Wo es feuchter wird, wiegt sich weißköpfiges Wollgras im Wind. Rot leuchtende, süß schmeckende, vitaminreiche Multebeeren sind hier eine nordische Spezialität, die zu sammeln aber ein mühsames Geschäft ist. Gräser, Flechten, Weidengebüsch - sicherlich nicht viel Abwechslung für manchen Mitteleuropäer. 

Doch wir genossen diese Kargheit, die Offenheit der Natur, die gänzliche Abwesenheit von Hektik und Betriebsamkeit. Gelegentlich streifen kleine Gruppen von Schafen oder Rentieren durch die Hochebenen. Wenn man in dieser Einsamkeit wandert, benötigt man schon örtliche Kenntnisse und muß mit dem Kompass umgehen können.

am Polarkreis 1980
am Polarkreis 1980

Wir hingegen benötigten nicht einmal Kartenmaterial, um über den Polarkreis zu fahren. Wir folgten der Europastraße 6, bis wir an einem Gedenkstein Polarcirkel* mit einer stilisierten Weltkugel halt machten. Ein kleiner Souvenirstand der einheimischen Samen bot vielerlei Rentierprodukte, bunte, gestickte Bänder, Wollmützen aus Schafswolle, Felle und Geweihe. So weit nördlich hatte uns eine Reise noch nie geführt. Und wir waren noch lange nicht am Ende, denn es gab da noch einen magischen Punkt, der hieß Nordkapp.

Wir hatten zwar unser Ziel fest im Auge, aber auch Zeit für so manchen Abstecher. Auf der Höhe von Narvik entschlossen wir uns, den Lofoten, was so viel wie Luchspfote bedeutet, einen Besuch abzustatten. Diese Inselgruppe besteht aus ca. 80 teilweise bewohnten Inseln mit bunten Fischerhäusern im Schutz von bis zu 1200 Meter hohen Bergen. Mit der Fähre besuchten wir drei größere, karge, bisweilen unwirtliche Eilande und stellten beim Zelten fest, daß hier die Stürme, die über das Europäische Nordmeer jagten, von Mensch und Material doch deutlich mehr abverlangten als auf dem Festland. Das Zelt hielt stand, aber an Schlaf war in der Sturmnacht nicht zu denken.

So ging es denn weiter auf der E 6 durch die nordische Landschaft, direkt entlang glasklarer, tiefblauer Fjorde im Schutze von hohen Bergen, die teilweise noch Schneemützen trugen, flankiert von streunenden Rentieren, bestaunt von neugierigen Schafen mit weißer, aber auch mal schwarzer Wolle. Sobald wir uns zu einer Rast entschlossen, gesellten sich Möwen zu uns. Beeindruckt haben uns wegen ihrer schieren Größe die braungesprenkelten Raubmöwen, auch Skua genannt, aber auch die schwarz-weißen, frechen Schmarotzermöwen hielt man sich besser vom Leib. Einwohner warnten uns davor, daß es vor allem beim Durchstreifen des Grases entlang der Fjorde vorkommen kann, daß man richtig hart von Möwen attackiert wird. Sie fliegen die Person direkt an und versuchen, mit ihrem Schnabel den Kopf zu treffen. Die Ursache für das aggressive Verhalten liegt darin, daß die Vögel ihre Brut verteidigen wollen, die versteckt in Nestern auf dem Boden großgezogen wird.

donnernde Wasserfälle
donnernde Wasserfälle

In Bognelv-Camping am Altafjord fanden wir abends einen ruhigen Rastplatz im Schutz eines Birkenwaldes. Sein Betreiber Olaf sprach ein wenig deutsch. Er war hilfsbereit und freundlich wie praktisch alle Einheimischen, denen wir begegneten. Mit seinem kleinen Ruderboot ging es aufs Wasser, ein Fisch sollte in die Pfanne. Diesmal war es eine schöne Scholle, die wir brieten. Eine Handangel gehörte zu unserer Grundausrüstung, und sie tat überall, wo man vom Boot oder Steg im Meer angeln konnte, ihren Dienst. Wollte man allerdings zum Fisch noch Salat, Gurke oder Tomate haben, zahlte man in den kleinen Bauernläden fast ein Vermögen.

Wozu eine kleine Geschichte zu erzählen wäre: Wir hatten in Berlin einen Grundkurs Norwegisch absolviert und wollten unsere Fertigkeiten einmal vor Ort ausprobieren. So formulierten wir geschliffen Jeg vil ha en kilo poteter (ich möchte ein Kilo Kartoffeln haben). Mehrere Versuche, unterschiedliche Betonungen, lautes, deutliches Sprechen - alles half nichts. Der Kaufmann starrte uns fragend an. Doch plötzlich hellte sich seine Miene auf. Oh boy, you mean potatos! Schnell wurden wir handelseinig.

Von Bognelv aus konnte man das Nordkapp fast „riechen“. Es waren nur noch gute 300 Kilometer, bei unserem Reisetempo etwa sechs Stunden oder eher mehr. Hierzu muß man sagen: Wir waren keine Kilometer“fresser“. Wo es uns gefiel, hielten wir an, fotografierten ausgiebig, wanderten zu Wasserfällen, kochten Tee mit Quellwasser aus den Bergen, genossen die Sonne auf rundgeschliffenen, warmen Steinen. Wir sammelten Blau- und Multebeeren, machten lange Strandspaziergänge und freuten uns über die fröhlich hüpfenden Wiesenpfeifer und die bedächtig nickenden Austernfischer. Das Fotografieren der polaren Flora, von rotweißem Steinbrech oder gelber Fetthenne, von Flechten, diesen geduldigen Steinbewohnern, und vielerlei Gräsern konnte schon einen Vormittag in Anspruch nehmen. Sogar Trockenfisch, aufgehängt in langen Holzgestellen, war ein lohnendes Motiv - vor der Kulisse schneebedeckter Berge allemal.

So gewöhnten wir uns an einen ganz eigenen, nordischen Rhythmus. Die Tage waren lang, und die Nächte machten sich eigentlich nur durch sinkenden Sonnenstand und Kühle bemerkbar. Die Nacht wurde nicht selten zum Tag, und man schlief, wenn man müde war. Die arktischen Sommer sind eine ganz eigene Erfahrung.

Trockenfisch - beliebter Exportartikel
Trockenfisch - beliebter Exportartikel

Doch endlich - das Nordkapp. Wir setzten auf die Magarœya über, schlugen unser Zelt bei Honningsvåg auf und machten uns des späten Abends auf den Weg zum Kapp. Hier, am Ziel unserer Reise, erlebten wir bei ungewohnter Windstille eine warme Mitsommernacht. Es war eine ganz eigene Stimmung unter den vielleicht hundert Menschen, die in kleinen Gruppen die große Steinplatte des Nordkapp bevölkerten und sich, die über dem Horizont schwebende Sonne im Hintergrund, abwechselnd vor dem großen Globus fotografieren ließen. Gut 2500 Kilometer straight benötigte man ohne Abstecher von Kristiansand aus bis zu diesen Klippen am äußersten Punkt Festlandeuropas. Bei uns waren es jetzt schon ab Berlin etwa das Doppelte, bedingt durch viele Ausflüge abseits der direkten Route. Und es sollten noch deutlich mehr werden.

Denn wir fuhren weiter bis ans Ende des frei befahr- und besuchbaren Europa, nach Kirkenes an die russische Grenze, gute 200 Kilometer vor Murmansk. Einmal davon abgesehen, daß die Barentsee uns noch kälter, die Landschaft noch karger und die Stürme noch heftiger schienen als bislang, sind uns zwei Erlebnisse in Erinnerung geblieben.

Zum einen machten wir Teepause an einem netten Flüßchen, als auf der Schotterpiste plötzlich ein Jeep auftauchte, zwei Uniformierte ausstiegen, die sich als Ranger vorstellten, und uns auf englisch fragten, was wir hier täten und wo unsere Angeln seien. Wir gaben Auskunft und zeigten unsere Handangel. Kritisch schauten beide in unseren Wagen, schauten sich auf unserem Rastplatz um und berieten sich. Unsere Frage, was das alles solle, wurde dann etwas freundlicher beantwortet. Unser Rastplatz zwischen Birken läge an einem lachsreichen Fluß, und auf unbefugtes Angeln stünden hohe Geldstrafen. Nur gut, daß wir uns nur zum Teetrinken niedergelassen hatten.

Gar nicht freundlich ging es südlich von Kirkenes an einem kleinen Grenzübergang in die UdSSR zu. Auf unseren Streifzügen hielten wir an und wollten den Kontrollpunkt fotografieren, eigentlich nur ein Holzhäuschen mit einer großen Tafel in kyrillischer Schrift und sowjetischer Fahne mit Hammer und Sichel. Wir erinnern uns gut an die mit großem Nachdruck in voller Lautstärke gebrüllte Weisung: No Photo, Njet! der bewaffneten Grenzsoldaten. Da gab es dann nichts zu diskutieren.

Aus Europas hohem Norden zurück nach Berlin gab es verschiedene Möglichkeiten. Wir fuhren an Norwegens fazinierender Küste wieder ein ganzes Stück weit südllich, bis wir in der Gegend von Trondheim auf Oppdal und den Dovrefjell-Nationalpark stießen. Die ausgewilderten Moschusochsen hatten es uns angetan. Wir wollten ausruhen und wandern. Und im Smuksjøseter heiße Waffeln mit Schlagsahne und Himbeeren essen. Es gäbe noch so viel zu erzählen .....

Polarcirkel
1980: Stand der Lappen am Polarcirkel

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*Die E 6 kreuzt bei 66° 33’ N den Polarkreis. Heute erwartet den Reisenden an dieser Wegmarke ein beeindruckender Multifunktionsbau mit einem großen Parkplatz. Hierzu heißt es auf der offiziellen Seite des Polarkreiszentrums: Das Polarkreiszentrum wurde am 13. Juli 1990 gleichzeitig mit der neuen Streckenführung der E 6 über das Saltfjell offiziell eröffnet. In der Cafeteria werden für Nordnorwegen typische Gerichte serviert, die Ausstellung informiert unter anderem auch mit Filmen über verschiedene Aspekte des Polarkreises, und im Souvenirladen sind Andenken und andere Dinge erhältlich. Insgesamt hat das Polarkreiszentrum eine Fläche von rund 1300 m2.

Zum Angebot des Polarkreiszentrums zählen:

  • Cafeteria vorwiegend mit typisch nordnorwegischen Gerichten. Wir nehmen gern Vorbestellungen für Reisegruppen, Feiern und andere Veranstaltungen entgegen.
  • Großer Souvenir- und Geschenkeladen.
  • Poststelle für Briefpost, wo auch alle Ansichtskarten mit dem exklusiven Polarkreisstempel abgestempelt werden.
  • Im modernen Kinosaal wird die neue Multivisionsvorstellung „Welcome to the Arctic“ mit beeindruckenden Aufnahmen und Musik aus dem Polarkreisgebiet gezeigt.
  • Polarkreisurkunde

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Air so crisp, exhilarating, intoxicating

The water now green, then silver

Whales spouting in their ocean pool

 

Land of endless wonder

Ragged, snow-capped mountain ranges

Towering trees, millions of them on soft carpets

 

Awesome glaciers, walls of pointed ice

Shimmering blue, they crackle and whisper

Turning into white thunder if they brake

 

Seals on floating icebergs, bears feeding on salmon

Playing on the driftwood covered shore

Bald eagles high in their nests

 

Keeping it’s dignity forever

Too huge to be conquered

Home to only a few of us

 

Ageless beauty, existing millennia, totem poles

Looking at the white ships which move silently

Its passengers standing in awe, never forgetting

 

Giselle Braeuel, 1995

FOTOS: Claudia, Immenstaad 2022


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Papageientaucher
Papageientaucher

Fast am Ende der Welt - Island 1

Rolf Scherer

Konnte man nicht gemütlicher reisen? So etwa: Ausfahrt Berlin Wannsee Richtung Alpen, Ankunft Gargano, Badehandtuch auspacken, Sonnenöl und Badehose. Buon giorno. Pasta. Basta.

Nein, wir konnten nicht. Wir inspizierten im Frühling 1984 gründlichst unseren Jeep Nissan Patrol, kauften einen zweiten Ersatzreifen auf Felge, reparierten das Zeltgestänge, horteten Tütensuppen und Schokoladentafeln im Dutzend, testeten den Sturmkocher, inspizierten Islands Road Maps, lasen jede Menge  Reisebeschreibungen, schliefen auf dem Balkon mit Schlafsack und Isomatte. Anorak und festes Schuhwerk gehörten unbedingt zur Ausstattung wie Angelzeug und Spaten. Wir wollten schließlich gut vorbereitet sein. Temperaturen zwischen Null und Zwanzig erwarteten uns. Also denn, Anfang Juli ging es los.

An diese zum Schluß hektische Zeit der Vorbereitung mußten wir zurückdenken, als wir in Flókalundur an Islands Westfjorden, direkt an der Gablung der Road 60 mit der 62, unseren zweiten Ersatzreifen benötigten. Öfter hatten wir uns in Berlin gefragt, wozu dieses zusätzliche Monster mitgeschleppt werden mußte. Jetzt wußten wir es und hatten sogar Glück, daß es in dem kleinen Ort mit seinen blauen und weißen Holzhäusern, der nach dem Namensgeber Islands, nämlich Raben Flóki, benannt war, eine Petrol Station mit Tire Repair gab. Ein wegen des Zustandes isländischer Straßen damals boomendes Gewerbe. So nahm sich ein freundlicher Teenager beider Reifen an, unterhielt sich mit uns in bestem Englisch, zog derweil den Nagel, dichtete Schläuche und gab uns wieder ein weiteres Stück Sicherheit mit auf die Reise, die uns jetzt auf den Bar∂astradavegur entlang der Westfjord-Küste führte. Diese Küsten“straße“ war ein in Island üblicher Jeeptrack, eine helle Schotterstraße mit mehr oder weniger großen Schlaglöchern. Wenn letztere mit Regenwasser gefüllt waren, war Vorsicht geboten. Sie konnten enorm tief sein. Besser war es also, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und auf diesen komfortableren Wegen eine Reisegeschwindigkeit von etwa 30 km/h möglichst nicht zu überschreiten. Womit man fein raus war, denn manchmal, so auf Wegen im Hochland, speziell auch bei der Durchquerung von Flüssen und Bächen, waren wir froh, drei Kilometer in der Stunde vorangekommen zu sein.

Ja, es war nicht unsere erste Islandreise, aber hier an den einsamen, sturmgepeitschten Westfjorden war es unvergleichlich schön, sofern das Wetter mitspielte. Diese Einschränkung ist für die Einheimischen völlig belanglos, denn als Europas nördlicher Vorposten, Grönland viel näher als Schottland, war man als Nachfahren Flókis buchstäblich mit allen Wassern gewaschen. Ein beständiger Ratschlag für den frierenden, klatschnassen, mißmutigen Touristen hieß denn auch: Wenn Dir das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten. Und gewöhne dich daran. Ein anderer Tip, der uns wieder einfiel, lautete ähnlich: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Bekleidung. 

An diesem Julitag jedenfalls war der Himmel hier am äußersten westlichen Zipfel Islands glasklar und strahlend blau, die langen, weißen, menschenleeren Sandstrände beinahe karibisch, jedenfalls rein optisch. Seehunde sonnten sich auf den Felsen. Denen machte der schneidende Wind überhaupt nichts aus. Fell und Haut waren Eiswasser-Temperaturen gewohnt. Wir leicht empfindlichen Mitteleuropäer zogen die Mütze aus echt isländischer Schafswolle ein Stück tiefer und den Reißverschluß von unserem Anorak so hoch es eben ging. Die 62 entlang, auf dem Weg nach Rau∂sdalur, hatten wir einen Ausflug zu den nahen Klippen vor. Unseren Jeep stellten wir auf eine Steinplatte nahe der Piste und machten uns auf den Weg zu den vielleicht hundert Meter steil abstürzenden Felsen, hin zur tosenden und zischenden Brandung.

Wir wollten die zutraulichen schwarzweißen Papageientaucher besuchen, nette, gesellige Vögel von der Größe etwa einer Taube mit einem gedrungenen Körper und dreieckigem, bunten Schnabel, der ihnen den Namen verlieh. Sie nisteten in Kolonien in den schroffen Klippen, waren geschickte Flieger, noch bessere Taucher und fütterten ihren hungrigen Nachwuchs immer mit einem Schnabel voll kleiner Fische. Und neugierig waren sie außerdem. Wir hatten uns gerade mit Sicherheitsabstand zum Abgrund auf einem Grasflecken am Klippenrand niedergelassen, da umringten sie uns schon. Watschelten auf ihren roten Schwimmfüßchen um uns herum, ließen sich ausgiebig fotografieren, imponierten immer wieder mit ihrem Flügelschlag, so als wollten sie sie trocknen. Und sie waren ebenso furchtlos wie neugierig. Nach kurzer Visite erhoben sie sich in die Lüfte und stürzten sich pfeilschnell ins Meer auf der Jagd nach Beute. Die immer hungrige Brut mußte gefüttert werden. Derweil hatten sich neue Kollegen zum Fototermin bei uns niedergelassen, um uns ausgiebig zu begutachten, zu umrunden und sich mit uns und ihrem knarrenden „or - or - or“ zu unterhalten. Wir saßen nur da und staunten über die wunderbare Natur, das endlose Meer, die Einsamkeit und das Zutrauen der kleinen bunten Nordmeervögel.

So beschlossen wir, in angemessenem Abstand zu den steilen Felswänden in einer tieferen Mulde unser sturmerprobtes Kuppelzelt aufzubauen. Diese Stimmung wollten wir noch ein ganzes Weilchen genießen. Und wir ahnten damals schon, daß wir dieses Zusammentreffen mit unseren gefiederten Freunden und der Abgeschiedenheit, die über diesen einsamen Weiten lag, immer in Erinnerung behalten würden.

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Sommer-Suchbilder/ Juli 2022

Brunnen
Die Hingucker
"Berlin"-Brunnen
"Berlin"-Brunnen

Wer kennt die Standorte von Die Hingucker und dem "Berlin"-Brunnen? Sie liegen beide nicht am See, sind aber beides Brunnen, auch wenn es bei dem ersten nicht so ausschaut. Und im übrigen: Berlin hat keinen "Alleinvertretungsanspruch" auf den Bären.

Wir freuen uns über Zuschriften! ➥➥➥ Kontakt

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My Bucket List

by Giselle Braeuel, Ottawa,  2010

 

Many good times I have enjoyed

God has been good to me

I have travelled far and wide

Loved much and laughed often

Not enough not enough

And time is running out

There are things I still want to do

I need to do, many more

But time is running out

 

Just once I would like to live

In a tree house in Africa, all alone

See the lions, look at the stars

Listen to the noises of the night

 

Just once I would like to stand

On a famous world stage and belt out

Madame Butterfly’s famous aria

And have people cry their eyes out

 

Just once I would like to spend

A week in Tuscany, sleep in a four poster bed

Sip on wine all day, eat pasta with all

The different sauces withot gaining weight

 

Just once I would like to race

A Harley Davidson down the freeways

of Nevada, 200 Miles an hour

Clad in leather, the wind in my hair

 

Just once I would like to leap

From a fifteen meter diving board

Entering the water’s surface head first

But time is running out


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Schutzpatron gesucht!

unser "Reise-Rätsel" (3)

Wie das Leben so spielt: Immer wieder gerät man in Situationen, da hätte man doch gerne Beistand, jemanden, der einem aus der Bredouille hilft. Hienieden eher selten. Aber es gibt natürlich Sphären, da tummeln sich geradezu die helfenden Hände. 

Eine davon suchen wir.

Aber welche?

Hier ein paar nützliche Hinweise für die Recherche:

Nehmen wir mal an, jemand will eine Bank überfallen, aber er stolpert und verknackst sich den Fuß. Wer hilft ihm?

Anderes Beispiel: Der Paß ist abgelaufen. Stellt man ausgerechnet dann fest, wenn man 6000 Meilen far from home ist. Und nun?

Man könnte die Reihe fortsetzen: Das Auto springt nicht an, das Lastenfahrrad findet keine Ladestation, die Bestatter streiken, der Redner verspricht sich, der Schäfer findet seine verirrten Lämmer nicht …

Wie heißt die helfende Hand, von der sich der Dieb, der Reisende, der Verkehrsteilnehmer, der Trauernde, der Vortragende, der Hirte Hilfe erbitten könnte? --- Nein, immer noch keine Spur?

Dann vielleicht noch zwei kleine „Steigbügel“:

1. Wir haben ein Unternehmen in Deutschland, das sich den Namen dieses Schutzpatrons geliehen hat.

2. Es gibt einen äußerst unterhaltsamen Roman über diesen Helfer in der Not. 

🔺Wie heißt der Gesuchte?

🔺Wie heißen das Unternehmen und der Roman?

➥ Schreiben Sie uns - wir sind gespannt! Kontakt

🔸🔹🔸🔹

Ein Stück vom Paradies

unser "Reise-Rätsel" (2)

„Gradewegs aus dem Paradies kommt sie“, sagen manche. Könnte sein, jedenfalls, was ihr Alter betrifft: Schon 200 v.Chr. fand man ihre Vorfahren, heute kennt man immerhin 3 800 Verwandte weltweit … Es gibt sie kugelrund oder birnenförmig, marmoriert, mit Falten oder glatt, winzig klein oder imposant groß, dunkelrot, fast schwarz, gelb, grün oder leuchtend orange - es gibt viele Formen und Farben. 

Kaum in Europa aufgetaucht, schon schmückte sie die Renaissancegärten Italiens - vielleicht sogar der berühmten Villa d’Este in der Region Latium oder den Garten der Villa Rufolo an der Amalfiküste - wer weiß? Vieles liegt im nächtlichen Schatten, auch der Geschichte, aber eines ist sicher: Man wußte lange Zeit nicht so richtig, wie man mit ihr umgehen sollte. Vielleicht brachte die Wiener Weltausstellung 1873 erste Erkenntnisse, aber man verhielt sich zunächst etwas mißtrauisch gegenüber der kapriziösen Lady. Heute allerdings - heute ist sie in aller Munde! Auf der ganzen Welt!

🔺 Wie heißt diese bestens beleumundete Dame?

🔺 Mit welchen Namen wird sie gerufen?

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Das LACHEN (auch illustriert) - und was andere darüber denken

Schauen Sie mal rein:

 KURIOS & KUNTERBUNT

  • Je mehr ein Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen. Menschen, deren Lachen stets affektiert und gezwungen herauskommt, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalt. Arthur Schopenhauer
  • Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat. Nicolas Chamfort
  • Die Menschen nehmen sich selbst zu ernst. Das ist die Erbsünde der Welt. Hätte der Höhlenmensch zu lachen verstanden, wäre die Weltgeschichte anders verlaufen. Oscar Wilde
  • Schlagt mich meinetwegen, aber lasst mich lachen! Molière
  • Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann. Christian Morgenstern
  • Das Lachen ist die sicherste Probe auf einen Menschen. Dostojewski
  • Lachen ist eine Macht, vor der die Größten dieser Welt sich beugen müssen. Émile Zola
  • Jedes Lachen vermehrt das Glück auf Erden. Jonathan Swift
  • Lachen ist eine körperliche Übung von großem Wert für die Gesundheit. Aristoteles
  • Nichts amüsiert mich mehr, als wenn ich über mich selbst lache. Mark Twain
  • Lachen lernt man nicht, lachen verlernt man. Emanuel Wertheimer
  • Leute, die nicht lachen, sind keine ernsthaften Leute. Chopin 

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Literarischer Bodensee 

"Das Fürstenhäusle in Meersburg bietet eine grandiose Aussicht über den Bodensee. Hier lebte im 19. Jahrhundert die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Das Haus gibt mit authentischer Einrichtung aus der Zeit des Biedermeier einen charmanten Einblick in ihr Leben und Werk..."  -  zum Fürstenhäusle

Literarischer Bodensee (2) 

Das Gebäude, in dem sich heute das Hesse Museum befindet, ist ein ehemaliges Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Es befindet sich in 78343 Gaienhofen und ist unbedingt einen Besuch wert!

zum Museum

Ein Bücherwurm

Es war einmal ein Wurm im Walde

Der fror so sehr - es war so kalde!

Da macht er auf sich in die Stadt

Und hofft, daß es ein Ende hat

Mit Frieren, Zittern, Bibbern, Klappern,

Mit Brennholz sammeln und mit Schnattern.

Er streunt an einem Haus entlang

Das ist so groß, es ward ihm bang!

Doch nein! Ein winzig-kleiner Spalt 

der Eingangstür gebietet Halt!

Er schlüpft hinein - ganz flugs zuweg! -

Und landet in der Bibliothek!

Dort, zwischen Dante und Herrn Dahn

Lebt er als Bücherwurm fortan.

Gerdi Scherer


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